San Cristóbal, Galapagos

Von Andreas Groll
3. Dec 2018
ca. 8 Minuten


Fast eine Woche auf der, für mich, günstigsten Galapagosinsel

Am Tag 16 unserer großen Reise sollte es am Nachmittag mit dem Boot auf unsere zweite Galapagosinsel gehen. San Cristóbal ist die östlichste Galapagosinsel und touristisch nicht so stark erschlossen, wie Santa Cruz. Das Ticket für $25 pro Person hatten wir uns schon bei unserem Tourenanbieter vorab gekauft. Er sagte uns mehrfach, dass es 13 Uhr losgeht. Mit unserer deutschen Pünktlichkeit haben wir uns natürlich schon 12:30 Uhr am Hafen eingefunden, weil es auf den Schildern hieß, dass man rechtzeitig vorher erscheinen soll, unter anderem wird noch das Gepäck untersucht. Zu dieser Zeit war natürlich noch niemand vor Ort und am Ende war die offizielle Abfahrtszeit 14 Uhr. Die Ansage “13 Uhr” war also wirklich die Check-in-Zeit und nicht die Boarding-Zeit. Mit Sack und Pack sprachen wir bei der Gepäckkontrolle vor:

Gepäck

Auf dem Bild ist noch unser Stangengemüse zu sehen: sogenannte Inga oder Ice Cream Bean. Die Kerne im Inneren der Stange sind von einem feinen, weißen schaumartigen Gewebe umzogen, was man im Mund ablutschen kann und der Geschmack erinnert tatsächlich an (warmes) Vanilleeis, nur ohne die Unmengen Zucker. Die Stange durften wir letztlich nicht mit nach San Cristóbal einführen, Weintrauben komischerweise schon …

Als es dann endlich losgehen sollte, mussten wir erst noch mit einem Taxiboot zu unserem Speedboat gebracht werden. Dort hatten 24 Personen Platz und saßen sich im Rumpf des Boots gegenüber. Die knapp zweieinhalbstündige Überfahrt konnte dann allerdings nicht sofort losgehen, weil es technische Probleme gab. Scheinbar liefen die drei starken Motoren am Heck nicht rund. Während die Crew vor unseren Augen das halbe Heck auseinandernahm und teilweise mit Schraubenschlüssel auf etwas einschlug, konnten wir Passagiere nur tatenlos zusehen und Witze bezüglich unserer anstehenden Überfahrt machen. Als dann der Captain die Anspache machte, dass ein Mechaniker vom Hafen kommen müsse, konnte man das alles erst recht nur mit Galgenhumor nehmen, schließlich hatten wir noch knapp 80km im Pazifik vor uns. Kurze Zeit später traf der Mechaniker per Wassertaxi ein, kam an Board, überreichte eine Art Schrumpfband und fuhr daraufhin sofort los. Das war wohl der MacGyver vom Dienst.

Reparatur

Reparatur

Tatsächlich ging es dann keine 10 Minuten später los. Die drei Motoren liefen scheinbar auf voller Leistung und wir bewegten uns mit knapp 45 km/h immer weiter von Santa Cruz weg. Je weiter wir auf offener See waren, umso stärker wurde der Wellengang. Wir wurden mächtig durchgeschüttelt und nach bereits einer Stunde sehnte ich mir festen Boden unter dem Boden herbei, eine Konsequenz aus dem permanenten Geschaukel und dem ekligen Benzingeruch der Motoren. Die einzigen beiden Heckplätze in Fahrtrichtung wurden dabei von einem Pärchen besetzt, die scheinbar Hobbyornithologen waren. Mit Ferngläsern ausgerüstet konnten sie tatsäglich bei dem Wellengang noch Vögel beobachten und waren immer total aus dem Häuschen sobald sie was gesehen haben.

Nach über zwei Stunden erreichten wir den Hafen von San Cristóbal Puerto Baquerizo Moreno und an Land hatte man das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen weiter schwankt. Das besondere war aber, dass man das Gefühl hatte, durch ein ausgestorbenes Städtchen zu gehen. Es gab zwar an der Promenade einige touristische Restaurants, allerdings ohne Touristen. Kein Vergleich mit dem Trubel auf Santa Cruz.

Unterkunft

Nach 20 Minuten Fußmarsch mit Gepäck erreichten wir unsere Unterkunft Casa de Jeimy, eine Mischung aus Hotel und Hostel. Wir hatten ein Doppelzimmer mit privatem Bad. Zusätzlich gab es noch drei große Küchen, in denen man sich selbst versorgen konnte, zwei davon waren auf einer riesigen Dachterrasse auf der man auch mit Aussicht essen konnte. Eins unserer morgendlichen Frühstücke mit süßen Teilchen vom Bäcker und frischen Obst konnten wir mit toller Aussicht genießen.

Hotel

Hotel

Ausflugsziele

Hafen

Allein der Hafen von San Cristóbal ist jeden Tag ein Besuch wert und man könnte Stunden mit dem Beobachten der Seelöwen verbringen. Im Vergleich zu Santa Cruz sind hier so viel mehr Seelöwen, dass man jeden Tag aufs Neue etwas beobachten kann. Über die gesamte Hauptpromenade kann man Seelöwen an Land oder im Wasser sehen. Bewegt man sich weiter nordöstlich vom Hafen kommt man sogar zu einem Strandbereich wo man plötzlich zwischen Seelöwen steht und dort alte und junge Tiere ungestört ihrem Alltag nachgehen. Dieser Alltag besteht zumeist aus Schlafen, Spielen oder einfach nur putzig aussehen (vor allem die Jungtiere). Dazu kommen noch die aberwitzigsten Geräusche, die die Kleinen von sich geben.

Sealion

Sealion

Sealion

Playa Mann

Vielleicht zehn Minuten zu Fuß vom Hafen entfernt befindet sich Playa Mann. Der Strand ist wohl der beliebteste Strand von Einheimischen, wie auch von Touristen. Hier gibt es sanitäre Einrichtungen und zwei kleine Restaurants, wo man typisch lokale Speisen bekommen kann. Direkt dahinter befindet sich auch direkt ein Universitätsgebäude, eine Außenstelle der Uni von Quito.

Der Strand selbst ist eigentlich überschaubar klein und keine 200m breit. Dafür tummeln sich auch hier wieder Seelöwen am Strand, direkt zwischen den Menschen und man kann die bestimmt besten Sonnenuntergänge genießen, einfach traumhaft.

Sonnenuntergang

Am Ende waren wir jeden Tag hier, auch wenn wir hier vielleicht nur vorbeigelaufen sind.

Interpretation Center

Das Interpretation Center befindet sich unweit vom Playa Mann und ist eine Art Lehrstätte für die Geschichte der Galapagosinseln. Hier lernt man was über die ersten Siedler, die Bedeutung während dem zweiten Weltkrieg und über die Nachhaltigkeitsbestrebungen auf den Inseln. Unter anderem gibt es auch eine Grafik, die besagt, dass vom gesamten Tourismusumsatz nur ein Bruchteil wirklich den Anwohnern zu Gute kommt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man so wenig wie möglich vom Festland aus buchen sollte, sondern immer alles beim lokalen Anbieter.

Daten

Mirador Cerro Tijeretas und Playa Punta Carola

Vom Interpretation Center aus beginnt ein Wanderweg zum Mirador Cerro Tijeretas, von hier kann die gleichnamige Bucht von oben sehen und mit Glück auch hier Fregattenvögel erleben und Meeresschildkröten im Wasser der Bucht sehen.

Bucht

Bucht

Von hier kann man auch die Runde komplett machen und Playa Punta Carola erreichen. Hier teilt man sich den weißen Sandstrand wieder mit Seelöwen. In der Ferne kann man Surfer beobachten, wie sie die Wellen im kalten Wasser versuchen zu reiten.

Taxitour

Da San Cristóbal nicht so stark erschlossen ist, kann man mit dem Auto nur in den Südosten der Insel fahren. Hier wird eine Standardtour empfohlen die aus den Orten besteht: Baumhaus in El Progreso, Laguna El Junco, Galapaguera de Cerro Colorado und Playa Puerto Chino.

Als wir vor der Anlage des Baumhauses in El Progreso waren hatte es noch geschlossen (wir sind früh um 9 Uhr gestartet). Insgesamt sieht man auch von außen ein großes Baumhaus und dann noch eine Art Yellow Submarine in einem weiteren Baum, einen Spielplatz und ein Restaurant. Wir haben dies als nicht lohnenswert empfunden und habe den Besuch ausgelassen. Da es noch so früh war, war das Wetter etwas feucht und windig, so dass wir uns den Anstieg auf den Vulkankratersee Laguna El Junco erstmal nicht antun wollten. Unser Taxifahrer brachte uns erstmal direkt zum Galapaguera de Cerro Colorado einer Pflegeanlage für Landschildkröten.

Der Eintritt ist kostenlos, da es zum Nationalpark Galapagos gehört und man ja den Eintritt schon am Flughafen gezahlt hatte. Die Anlage ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Man spaziert direkt neben den Riesenschildkröten durch den Park, einfach atemberaubend diese Tiere.

Schildi

Schildi

Schildi

Neben den alten Tieren, werden natürlich auch Jungtiere ausgebrütet und großgezogen. Die verschieden alten Schildkröten sind in verschiedenen Bereichen abgegrenzt zu bewundern.

Nach der Fotosession mit den Schildkröten ging es an den Playa Puerto Chino, am östlichsten (per Straße erreichbaren) Ende von San Cristóbal. Der Strand war ganz nett und wir waren am Anfang noch komplett allein, aber mangels Infrastruktur vor Ort und dem wartenden Fahrer kein wirkliches Ziel, um dort länger zu verweilen. Auch hier gab es wieder lustige Begegnungen mit Seelöwen, die an den wildesten Orten schlafen.

Seelöwen

Seelöwen

Seelöwen

Auf dem Rückweg hielten wir dann noch einmal bei dem Vulkankrater, wo es mittlerweile nicht mehr regnete. Hier geht es vom Parkplatz knapp 100 Höhenmeter einen Weg nach oben. Am Ende erreicht man dort den Vulkankrater der über die Zeit zu einem Frischwassersee wurde. Man konnte den See in weniger als 30 Minuten entspannt umrunden und konnte so vom östlichen Ende bis zum Rand der Insel schauen.

Vulkan

Nach dem Abstieg haben wir dann mit unserem Taxifahrer gegen einen Aufpreis noch einen weiteren Stopp eingeplant. Südlich von Puerto Baquerizo Moreno gibt es noch den Playa Loberia, den man nur mit Fahrrad oder Taxi erreichen kann. Die ca. 3km zu Fuß zurückzulegen wäre aufgrund der Hitze Selbstmord. Schon der Weg vom Parkplatz zum Strand (ca. 600m) war erstaunlich heiß. Am Ende erwartete uns ein Strand mit … ratet … Seelöwen ;-)

Die gesamte Tour dauerte knapp 5h und kostete uns $60 für den Taxifahrer. Ein echtes Schnäppchen für Galapagosverhältnisse.

Kulinarisches

Wir mussten feststellen, dass die leckeren Fischgerichte von Santa Cruz hier alle meist mindestens $5 teurer waren. Durch Zufall entdeckten wir aber ein kleines lokales Restaurant, was eher wie eine private Kochgemeinschaft aussah. Auf der Terrasse standen Tische und Stühle und dort stand auch ein Gasgrill für frische, leckere Empanadas (die dort im Ölbad frittiert wurden). Das bestellte Essen kam aus dem Wohnhaus teilweise durch das Fenster gerreicht. Auf dem Weg zur Toilette durchlief man scheinbar das Wohnzimmer. Merkwürdig, aber lecker und günstig. Hier kostete die einfachse Portion Fisch mit Reis, Bohnen und Salat nu $8 und es stellte sich heraus, dass es leckerer Weißer Thunfisch war.

Weiterhin entdeckten wir unweit unserer Unterkunft einen gesprächigen Bäcker, der mehrere Jahre in den USA lebte und auch gutes Englisch sprach. Jeden Tag hatte er andere extrem süße Teilchen oder Küchlein, aber auch Schweinsohren!!

Abseits von den typischen Fleisch und Fischgerichten entdeckten wir auch an einem Tag ein leckeres Café mit kleinen fleischlosen und vergleichsweise günstigen Speisen.

Fazit

Wie schon angedeutet, ist San Cristóbal eine ganz andere Erfahrung im Vergleich zu Santa Cruz. Alles war entspannter und man hatte praktisch vor der Haustür Unmengen Seelöwen, konnte verschiedene Vögel und natürlich auch Leguane beobachten. In der Bucht von Tijeretas hätte man auch mit Meeresschildkröten schnorcheln können. Das führt dazu, dass ich jedem San Cristóbal empfehlen würde, mehr noch als Santa Cruz mit seinen teuren Ausflügen. Wenn man das nötige Kleingeld aufbringen kann, dann sind natürlich beide Inseln zu empfehlen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich ein weiterer Ausflug zu Isla Islabela lohnen würde.

Galapagos

Andreas Groll

Andreas ist der Betreiber dieses Blogs. Er schreibt aktuell vermehrt über seine Weltreise und daher nur gelegentlich über IT-Themen.

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